Wohneigentum auf der Etage erobert die Metropolen.
Berlin ist die Stadt der Singles. Die Hälfte der Berliner Haushalte besteht aus nur einer Person. Und die ist häufig jung, städtisch orientiert und oft Wohnungseigentümer. Das fand das Forschungsinstitut empirica im Auftrag der Landesbausparkassen jüngst heraus: Alleinlebende unter 40 Jahren realisieren demnach Wohneigentum zu 61 Prozent auf der Etage.
Überall dort, wo Bauland für Ein- und Zweifamilienhäuser knapp und teuer ist, sind Eigentumswohnungen besonders gefragt. Ausschließlich mit Eigenheimen läge die Wohneigentumsquote in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern beispielsweise nur bei 11 Prozent. Wird das Stockwerkseigentum dazu gerechnet, verdoppelt sich die Quote auf 22 Prozent. Grundsätzlich gilt: Je größer die Stadt, desto größer auch die Bedeutung von Etageneigentum.
In den vergangenen 25 Jahren ist nach Angaben der LBS in den westlichen Bundesländern der Anteil der Wohneigentümer auf der Etage von 15 auf 22 Prozent gestiegen, in den neuen Bundesländern hat sich die Wohneigentumsquote sogar innerhalb von 15 Jahren von 9 auf 17 Prozent fast verdoppelt.
In Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern leben bereits 49 Prozent der Einwohner in ihren eigenen Wohnungen. Berlin kann da noch ganz anders auftrumpfen: Im Westteil der Millionenmetropole nutzen 54 Prozent ihr Wohneigentum selbst und im Osten der Hauptstadt sind es immerhin auch schon 22 Prozent. Im reichen Hamburg sind es indes nur 43 Prozent und im armen Bremen wohnt nur jeder dritte Wohneigentümer auf der Etage.
Der Familienstand entscheidet laut Analyse der LBS-Experten eher über die Frage "Eigenheim oder Eigentumswohnung?" als das Einkommen. Ab einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 2000 Euro gäbe es bei der Eigentumswohnungsquote keine großen Unterschiede mehr. Jeder sechste Wohneigentümer bliebe auch noch mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 4500 Euro auf der Etage wohnen. Junge Leute mit Kindern oder auch Mehrgenerationenhaushalte ziehen dagegen in sieben von acht Fällen das Leben im Eigenheim vor.
Davon gibt es in Berlin allerdings nicht allzu viele. Und noch viel weniger Menschen besitzen überhaupt Eigentum. An der Spree leben immer noch 87 Prozent aller Einwohner zur Miete. Berlin wurde im Zuge der industriellen Revolution eine Mieterstadt und ist es bis heute geblieben. "Warum", fragt sich Finanzsenator Ulrich Nussbaum, "muss das so bleiben? Das sei historisch gewachsen, reicht mir als Begründung nicht aus." Nussbaum will daran schleunigst etwas ändern. Der Mann kommt aus Bremen, wo die Wohneigentumsquote deutlich höher als im wohlhabenden Stuttgart liegt bei 37 Prozent. "Es ist doch ein Totschlagsargument, dass der frei finanzierte Wohnungsbau und mehr Wohneigentum die sozial Schwachen aus den Innenstadtbezirken vertreiben", monierte er erst kürzlich in der Tagespresse. Nicht jeder private Investor sei eine Heuschrecke. Immerhin habe auch der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen vor kurzem damit geworben, dass in ihren Wohnungen die Durchschnittsmiete bei 4,69 Euro liege und damit noch unterhalb der Mittelwerte des Berliner Mietspiegels. Nimmt man alle 1,9 Millionen Mietwohnungen in Berlin vom Luxusapartment bis zum unsanierten Altbau kommt man auf eine durchschnittliche Miete von 5,71 Euro. Für den Finanzsenator sind das Zahlen, von denen die Mieter in Hamburg oder München nur träumen könnten. "Je mehr wir Weltstadt werden, desto mehr können sich auch die Kosten metropolengerecht entwickeln", so Nussbaum. "Das ist nur eine Frage der Zeit." Sein Ziel: weitere fünf bis zehn Prozent der Hauptstädter ins Eigentum zu bringen.


