Wie viel Quadratmeter dürfen es denn sein?

Das mit der Statistik ist so eine Sache: Jeder hat 45 Quadratmeter Platz. Das stimmt. Im Durchschnitt. Das bedeutet aber auch: Während der eine auf lediglich 25 m² haust, residiert vielleicht schon der Nachbar auf luxuriösen 70. Aber jetzt die gute Nachricht: Die Wohnfläche nimmt immer weiter zu – für alle. Zumindest statistisch betrachtet...

Die Pro-Kopf-Wohnfläche beträgt zurzeit 47 m² im Westen und 43 m² im Osten Deutschlands. Die Flächenansprüche werden aber in den nächsten Jahren deutlich zunehmen, prognostiziert das Berliner Meinungsforschungsinstitut Empirica in einer aktuellen Studie im Auftrag der Landesbausparkassen. So werden die Flächenzahlen bis 2030 deutlich ansteigen: um 15 Prozent im Westen, auf 54 m², und im Osten sogar um 25 Prozent, sodass jedem Bewohner in den neuen Bundesländern dann 55 m² zur Verfügung stehen. Damit überholen die Menschen im Osten ihre Landsleute im Westen bei der Pro-Kopf-Wohnfläche in 20 Jahren.

Den Auslöser für den immer steigenden Platzbedarf sehen die Forscher im Trend zu immer mehr kleineren Haushalten. Hier spielt die Alterspyramide der Bevölkerung eine Rolle: Die Leute leben länger, sie bleiben fit und können lange in ihren Wohnungen oder Eigenheimen bleiben. Die sind oft groß, da die Kinder ausgezogen sind oder ein verwitweter Ehepartner allein übrig geblieben ist. Somit wächst die Wohnfläche mit zunehmendem Alter: Hat man bis zum 50. Lebensjahr gut 38 m², sind es ab dem Renteneintritt 65 m².

Überraschend ist die Tatsache, dass sich die Pro-Kopf-Wohnfläche in der Stadt so gut wie gar nicht von ländlichen Regionen unterscheidet. Deutlicher zeigt sich, dass Mieter sich platzmäßig mehr einschränken müssen als Wohnungseigentümer. Wer mietet, hat rund 40 m², egal ob in den Metropolen oder auf dem platten Land. Eigentümer dürfen sich auf 47 bis 49 m² ausbreiten. „Höhere Einkommen und kleinere Haushalte in großen Städten sprechen eigentlich für großen Flächenkonsum, das höhere Miet- und Preisniveau zwingt dagegen zu einem sparsamen Umgang mit der Quadratmeterzahl“, so die Experten der Landesbausparkassen.

Wer denkt, das Einkommen entscheidet über den Platz, irrt. Die Empirica-Analyse zeigt auf, dass bei den Geringverdienern bis zu 1.100 Euro netto im Monat die Wohnfläche in der Tat pro Kopf am größten ausfällt. Mieter dieser Einkommensklasse haben 45, Eigentümer sogar 70 m² zur Verfügung. Für diese auf den ersten Blick überraschende Tatsache sind vor allem die Rentner verantwortlich. Mit höheren Monatseinkommen steigt auch der Anspruch nach mehr Platz – aber, statistisch betrachtet, müssen sich dann wiederum mehrere Personen einen Haushalt teilen. Und selbst die größte Eigentumswohnung hat für eine Familie mit 2 Kindern meist nicht so viele Quadratmeter zu bieten wie ein kleines Singleappartement für einen Einzelnen. Da nutzt auch ein Nettoeinkommen von 4.500 Euro wenig - auf mehr als 48 m² pro Kopf kommen nur die allerwenigsten. Heute zumindest. In 20 Jahren sieht die Sache wieder anders aus. Wenn es nach der Statistik geht.