Von Geld, Gold und Beton

Wer jetzt über die Wirtschaftskrise jammert, hat den Fall der New Economy schon verdrängt. Oder die Auswirkungen des 11. Septembers. Auch damals purzelten die Börsenkurse ähnlich wie nun im Zuge von Griechenland und der Euro-Krise. Dass der Markt alle paar Jahre diese volatilen Schwankungen aufweist, ist kein Geheimnis. Nur: Was tun diejenigen, die Geld anlegen möchten?

Der Trend geht in Richtung Immobilien. „Sachwerte“ nennen das die Fachleute. Im Gegensatz zu Aktien, Sparbüchern oder Fonds. Gold, ebenfalls eine beliebte Anlageform und zurzeit auf Höchstniveau, liegt zwar im Trend, aber der Preis kann ebenso schwanken. Die Deutschen besinnen sich jedenfalls darauf, dass Wohnungen und Häuser eine solide Geldanlage darstellen – und kaufen, was das Zeug hält.

Thomas Esterle, Finanzchef der WBM, kann diesen Boom bestätigen: „Aufgrund der gegenwärtigen Unsicherheit hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und den niedrigen Zinssätzen entscheiden sich viele Anleger für den Kauf einer Immobilie. Wir stellen eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Eigentumswohnungen fest, erfreulicherweise entscheiden sich auch viele Mieter zum Kauf ihrer Wohnung.“

Gerade die Hauptstadt hat es den Anlegern offenbar angetan: „Der Berliner Immobilienmarkt hat sich in der Finanzkrise als belastbar und wertbeständig erwiesen“, sagt Reiner Rössler, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Berlin. Die Zahl der Haus-, Wohnungs- und Baugrundverkäufe stieg im letzten Jahr hier um 20 Prozent. Über 27.000 Objekte wechselten den Besitzer – und die neuen Käufer mussten 33 Prozent mehr Geld bezahlen als noch im Jahr davor. Gesamtsumme dieser Kaufverträge: rund 8,72 Milliarden Euro.

So steht es im Bericht über den Berliner Grundstücksmarkt 2010/11, der seit Sommer vorliegt. Das ausgewertete Zahlenmaterial bezieht sich nicht auf die Angebote, sondern auf die Daten aller in Berlin notariell beurkundeten Immobilienverkäufe. Zu Buche schlagen sich hier natürlich vor allem die Großimmobilien, deren spektakuläre Verkäufe durch die Presse gingen wie das Sony Center oder das Einkaufszentrum Alexa.

Aber auch die Masse der verkauften Etagenwohnungen ergibt ein hübsches Sümmchen. Einen erheblichen Anstieg verzeichneten laut der Veröffentlichung des Gutachterausschusses die Erstverkäufe neu gebauter Eigentumswohnungen. Im Vergleich zu 2009 wurden nicht nur fast doppelt so viele verkauft, auch das Preisniveau ging beachtlich nach oben. Ausschlaggebend sind Neubauprojekte in guten City-Lagen in Prenzlauer Berg und Mitte, deren Käufer durchschnittlich 40 Prozent mehr bezahlen mussten als noch ein Jahr früher. Im Westteil Berlins stiegen die Preise immerhin um 15 Prozent.

Einige Tendenzen zeichneten sich besonders deutlich ab: Neben besonders hohen Steigerungen bei Geschäfts- und Büroimmobilien legten Wohn- und Geschäftshäuser auffallend zu: Es wurden 22 Prozent mehr Kauffälle verzeichnet – die Steigerung nach Geld beträgt sogar 73 Prozent. Dies verdeutlicht nicht nur den Boom von Immobilien, sondern auch ihre Wertsteigerung in letzter Zeit. Im Trend: Altbau, innerstädtische Lage. Nachgebende Preise waren hingegen bei Neubauten zu verzeichnen.

Wo wird das noch hingehen? „Ausgehend von aktuellen Umsatzzahlen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass der Geldumsatz im Jahr 2011 die Grenze von 10 Milliarden überschreiten wird. Das wäre dann - mit diversen zeitlichen Unterbrechungen - das fünfte Mal seit 1990. Ob ein vergleichbares Ergebnis auch 2012 erreicht werden kann, lässt sich heute nicht ernsthaft prognostizieren“, sagt Immobilienexperte Reiner Rössler.